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Rollen in Familien als Überlebensstrategie

( aus: "Kindern von Suchtkranken Halt geben", Arbeitshilfe des Bundesverbandes der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe)

Für Kinder in Suchtfamilien wird die Übernahme einer Rolle, "Überlebensstrategie", fester Bestandteil der Persönlichkeit. Auf diese Weise passen sich die Kinder dem familiären Dauerstress an.

An die Rollenträger sind bestimmte Erwartungen, häufig auch unausgesprochene, Forderungen und Gefühle geknüpft, die der Suchtkranke nicht mehr selbst erfüllen kann. Dabei werden nicht nur Aufgaben wie Essen kochen, Geschwister versorgen, Einkäufe erledigen an die Kinder delegiert. Vielmehr erhalten diese auch Botschaften und Aufgaben von Erwachsenen wie "Tröste mich!", "Unterhalte uns !", "Mach du uns nicht auch noch Kummer!", leiste etwas, damit wir stolz auf dich sein können !"- das bedeutet: Die Kinder sollen sich für das Gefühlsleben der Erwachsenen einsetzen. Diese Appelle werden ohne Worte, häufig unbewusst an die Kinder weitergeben, die diese wahrnehmen und ausführen.

Alle diese Rollen beinhalten ein hohes Maß an Unehrlichkeit, Perfektionismus, Verleugnung, Kontrollverhalten und Selbstbezogenheit.

Die Übernahme dieser Rollen hat für die Kinder viele positive Komponenten. Sie machen krank, wenn ihre Rolle festgeschrieben und ihre einzige Überlebensstrategie bleibt.

Held

Der Familienheld

ist meistens das älteste Kind. Es übernimmt Aufgaben, die die Eltern nicht mehr oder nur ungenügend wahrnehmen. Mädchen fallen in dieser Rolle häufig gar nicht auf, da sie den Rollenerwartungen der Gesellschaft entsprechen. Sie werden von ihrer Umwelt gelobt. Der Held arbeitet sehr hart, um Anerkennung zu bekommen. Helden meinen, alles perfekt machen zu müssen und haben Schuldgefühle, wenn sie diesen Anspruch nicht erfüllen können.

Sie haben gelernt, sich nur auf sich selbst verlassen zu können und immer nach außen zu signalisieren: Es ist alles in Ordnung.

Das schwarze Schaf

Das schwarze Schaf

fällt durch sein unangemessenes Verhalten auf. Auch wenn es als zusätzliche Belastung für die Familie erscheint, gelingt es ihm vom eigentlichen Problem abzulenken. Sein Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu erlangen. Unter der aggressiven, feindseligen und abweisenden Fassade der Kinder befindet sich vor allem Schmerz, Einsamkeit und das Gefühl abgewiesen zu sein. Leider holen sie sich in ihrer Rolle immer wieder hierfür die Bestätigung.

Das auffällige Geheimnis des Sündenbocks kann jedoch dazu führen, dass das "Familiengeheimnis" Sucht gelüftet wird. Dann nämlich, wenn es erforderlich wird, Hilfen (z.B. erzieherische) in Anspruch zu nehmen.

Stilles Kind

Das stille Kind

Hierbei handelt es sich um Kinder, die zurückgezogen leben. Sie sind pflegeleicht, problemlos und werden gerade für dieses Verhalten gelobt.

Diese Kinder haben häufig Selbstwertprobleme und fühlen sich minderwertig. Viele neigen dazu, ihre innere Leere mit Essen zu füllen und gelegentlich auch Alkohol und andere Drogen hierfür zu gebrauchen. Sie haben häufig Allergien, oft Unfälle oder sind Bettnässer. Krankheit ist ihr Mittel um Aufmerksamkeit zu erlangen. Diese Kinder entwickeln kaum soziale Fertigkeiten und haben besonders Schwierigkeiten soziale Beziehungen einzugehen.

Es lernt nur sozialen Rückzug und Isolation. Seine Familie erwartet nichts von ihm, so fühlt es sich selbst auch unbedeutend und hat keinen Anreiz, eigene Fähigkeiten zu entfalten

Clown

Der Clown

versucht, durch seine Späße die Familie zum Lachen zu bringen und von der problemgeladenen, depressiven Grundstimmung abzulenken. Diese Kinder sind wegen dieser Qualität recht beliebt, erhalten jedoch wenig Anerkennung. Sie fühlen sich allein und hilflos. Hinter ihrem Clownsgesicht entwickeln sie Angst. Sie spüren, dass in der Familie etwas nicht stimmt, obwohl die anderen Familienmitglieder signalisieren, dass alles in Ordnung ist. Sie lernen, dass Ängste auf keinen Fall gezeigt werden dürfen. Als Spaßmacher vom Dienst werden sie häufig von niemandem richtig ernst genommen, da sie in ihrem Verhalten nichts anderes als ihre Rolle gelernt haben. So haben sie häufig auch keine Freunde.

Der Clown wird wegen seiner Hyperaktivität oft medikamentös behandelt und lernt früh, dass es Mittel gibt, mit denen man sich besser fühlt. Diese Kinder sind auch suchtgefährdet, denn sie benutzen Suchtmittel zur Selbstmedikation. Sie haben Angst, verrückt zu sein. Die kann so groß werden, dass sie auch selbstmordgefährdet sein können.

Ohne fremde Hilfe können die Kinder ihre Rolle, oft auch als Erwachsener, nicht mehr ablegen. Sie sind im Prinzip genauso abhängig von ihrer Rolle wie der Suchtkranke von seinem Suchtmittel. Sie haben ebenso kein anderes Verhaltensmuster gelernt